Gerhard Schröder

Er ist erst spät zur Toskanafraktion dazu gestoßen: Am Gründonnerstag des Jahres 2003 tauchte der Kanzler auf dem Campo von Siena auf, setzte sich vor die Gelateria "Il Campo" und bestellte ein Eis. Anschließend traf er sich in der "Osteria Le Logge" (siehe unter Schily) mit Otto Schily. Mit dabei neben dem Gastwirts-Ehepaar: Vittorio Galgani, der Präsident der Handelskammer Siena.

Jedenfalls hat es Schröder gefallen. Ein Jahr später, 2004, verbrachte er seinen kurzen Osterurlaub erneut an den gleichen Schauplätzen. Am 7. April feierte er seinen 60. Geburtstag im Kreis von Freunden in der "Osteria Le Logge" und im "Castello di Orgiale".

Bernd Gisy, Weinhändler aus Hannover, hat vor einigen Jahren das herunter gekommene "Castello di Orgiale" gekauft und aufwändig renoviert. Es ist heute ein Ferien-Refurgium – genau das Richtige für Gerhard Schröder. Das Castello liegt einen Kilometer westlich des Zentrums von Castelnuovo Berardenga.

Gisy schreibt selber: "Die Geschichte beginnt um das Jahr 1000 mit Einsetzung der langobardischen Familie dei Berardenghi auf diesem senesischen Territorium. Es war eine Zeit verbissener Kämpfe zwischen Florenz und Siena. Im Jahre 1070 errichteten die ersten Besitzer einen Wachturm gegen den Erzfeind Florenz. Die mächtigen Mauern des Turms wurden später in das landwirtschaftliche Anwesen integriert. Wir haben die behauenen Steine und damit die beeindruckende Vergangenheit sorgfältig freigelegt und wiederbelebt. Am Castello, im historischen Gemäuer, umrahmt von großen Cipressi erwarten Sie acht wunderschöne Appartements, eingerichtet im klassischen toscanischen Stil - jedes für drei bis sechs Gäste."


Wir fanden in dem Buch "I Castelli del Senese" noch diesen Hinweis: 1159 errichtete die Familie Orgiale die heutige Burganlage. Sie durfte sich, weil sie loyal gegenüber Kaiser Friedrich Barbarossa gewesen war, nicht in Siena ansiedeln, sondern in einem Abstand von mindestens zwölf Meilen – ziemlich genau die Entfernung des heutigen Castello zur Stadt.

Das Castello liegt genau auf der Südgrenze des Chianti-Classico-Gebietes. Gisy produziert selber einen "Gallo Nero".

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